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Weiße Flotte GmbH klagt gegen Bundesrepublik / 119 Tage lang wurde
seit 2001 am 90-Millionen-Neubau repariert
Pannenschleuse: Schon wieder muss der Trog gesperrt
werden
Von Matthias Fricke

Mit einem Schifffahrtspolizeilichen Hinweis Nr. 39 / 06 für die
Schifffahrt auf dem Rothenseer Verbindungskanal wird auf " dringende
außerplanmäßige Reparatur der Schleuse Rothensee " vom 25. bis 29. September
2006 hingewiesen. Nichts Ungewöhnliches : schließlich blieb die Sparschleuse
seit 2001 wegen Nachbesserungen und Reparaturen 119 Tage dicht. Der Grund
diesmal : Die " Anoden " für den aktiven Korrosionsschutz werden angebracht. Den
gab es bisher gar nicht.
Magdeburg. Als Weiße-Flotte-Chef Dr. Bernhard
Thümler das Fax der Sperrungsankündigung für weitere vier Tage in der Hand hält,
lässt er ordentlich Dampf ab : " So geht das nicht. Diese Verluste sind für uns
nicht mehr hinnehmbar. Einige Fahrten in dieser Zeit waren schon ausgebucht !"
Per " Einstweiliger Verfügung " willdieGmbHals "
hauptgeschädigte Gesellschaft " die Öffnung des Schiffshebewerkes spätestens bis
zum 1. April 2007 gerichtlich erzwingen. " Dann hätten wir jetzt wenigstens
einen Bypass ", sagt der Flottenchef und beauftragt noch am gleichen Tag ein
Berliner Anwaltsbüro mit der Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland.
Eigentlicher Klagegrund : Im Planfeststellungsbeschluss ist der Weiterbetrieb
des Hebewerkes nach Fertigstellung der Sparschleuse durch den Bund versprochen
worden.
Jetzt sind die Realitäten aber andere. Selbst bei dieser
außerplanmäßigen Reparatur, darf das Schiffshebewerk nicht in Betrieb genommen
werden. Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Tjark Hildebrandt : " Per
Beschluss des Ministers ist das Schiffshebewerk still gelegt. "
Nachbesserungen durch Baufi rmen nötig
Dabei wäre es nach den
bisherigen Pannen angebracht, für Alternativen zu sorgen. Seit der Eröffnung des
rund 90 Millionen Euro teuren Sparschleusen-Neubaus am 21. Mai 2001 gab es immer
wieder Nachbesserungen und Reparaturen durch die Herstellerfirmen, bestätigt
Hildebrandt.
In den 119 Sperrtagen des Troges ist die Havarie des
Pumphauses am 9. Oktober 2003 noch gar nicht eingerechnet. Pünktlich zur offi
ziellen Einweihung platzte eine Druckleitung und hunderte Kubikmeter Wasser
schossen aus der Pumpstation. Es entstand ein Schaden von mehreren
hunderttausend Euro. Auch damals sprach man bereits von " Kinderkrankheiten ".
An diesen musste bereits 2001 kurz nach der Eröffnung gearbeitet werden. Zwei
Tage blieb der Trog für Reparaturarbeiten dicht. Das folgende Jahr waren es
bereits neun Tage. 2003 hatte die Schleuse im Rahmen von " Garantiearbeiten " 23
Tage lang geschlossen.
Wegen der geplatzten Rohrleitung brauchte die
Schleuse gar nicht gesperrt zu werden. Der Betrieb lief weiter. Allerdings
sparte die Schleuse in dieser Zeit nicht am Wasser. 50 000 Kubikmeter pro
Schleusung gingen im wahrsten Sinne des Wortes den Bach herunter, so dass die
Verluste im Mittellandkanal durch Frischwasser aus der Weser ausgeglichen werden
mussten. Nach den Reparaturen wurde es in den Jahren 2004 / 2005 etwas ruhiger.
Nur einen Tag musste die Schifffahrt in dieser Zeit ruhen.
Dafür war die
Schleuse allein in diesem Jahr schon wieder 84 Tage dicht. Die Schließung der
Schleuse für eine " Durchsicht " vor Ablauf der Gewährleistungsfrist dauerte
länger als geplant. Wieder gab es Nachbesserungen. Unter anderem wurde zumindest
für das so genannte Unterhaupt ( unterer Schleusenbereich ) ein aktiver
Korrosionsschutz vorbereitet. Der Grund : Es gab bis dahin noch keinen. " Wir
haben bei den letzten Arbeiten festgestellt, dass wir darauf doch nicht
verzichten können ", erklärt der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Da
die Zeit drängte, erklärte er weiter, habe man die Schleuse aber erst mal wieder
in Betrieb genommen.
Aktiver Schutz war
gar nicht vorgesehen
Zumal die abgelaufene Garantiezeit für diese Arbeiten keine Rolle
spielt. Ein aktiver Korrosionsschutz war bei dem Neubau nicht vorgesehen. Nun
habe man die Zeit der Sperrung der " Nachbar-Schleuse " in Sülfeld ( Wolfsburg )
genutzt, da die Ost-West-Verbindung des Mittellandkanals sowieso blockiert ist.
Während die abschließenden Arbeiten am Unterhaupt sogar im laufenden Verkehr
hätten erledigt werden können, soll nun während der Sperrung das Oberhaupt der
Schleuse den aktiven Korrosionsschutz erhalten. Dieser müsse dafür aber
trockengelegt sein.
Das benachbarte historische Schiffshebewerk hat in
67 Betriebsjahren 730 000 Trogfahrten absolviert. Insgesamt wurden fast 60 000
Unterschriften gegen die Silllegung des Schiffsfahrstuhls gesammelt.
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Copyright © Volksstimme.de
2006
Dokument erstellt am 07.09.2006 um 05:55:43 Uhr
Erscheinungsdatum
07.09.2006 | Ausgabe: mdx
