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Schleuse Niegripp wird für sieben Monate geschlossen / Stauen sich Güter-, Fahrgast- und Sportschiffe bald vor Rothensee ?
Experten befürchten Chaos, aber das Schiffshebewerk soll dicht bleiben
Von Karl - Heinz Karl-Heinz Kaiser



Der Fachbeirat des Fördervereins Technische Denkmale sieht im Sommer chaotische Verhältnisse auf die Schifffahrt zukommen. Grund : Die Schleuse Niegripp wird ab Mai für 7 Monate dicht gemacht. Der Skandal : Das Schiffshebewerk, das die enormen Belastungen an der Schleuse Rothensee mit abfangen könnte, soll geschlossen bleiben.

Magdeburg. Starrsinn oder Gnatzreaktion im Tiefenseeministerium – Heinz Karl Prottengeier, Chef des Fachbeirats Schiffshebewerk, hält es für kompletten Unsinn, wenn das Schiffshebewerk dicht bleiben würde.

Er und die Experten seines Gremiums, das den Förderverein Technische Denkmale Sachsen-Anhalt berät, fordern bei der geplanten Sanierung der Schleuse Niegripp die Wiederinbetriebnahme des Hebewerks in Rothensee. Alles andere würde im Chaos enden, befürchtet Prottengeier.

Jörg Rusche, Geschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt, macht sich ebenfalls stark für das nahezu einmalige Technische Denkmal " Schiffsfahrstuhl " in Magdeburg. In einem Schreiben an die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, Sitz Gerhart-Hauptmann-Straße, wird jetzt vorgeschlagen, ihn während der Sperrzeit von Niegripp wenistens in einer Tagschicht zu eröffnen.

Immerhin : Der gesamte Schiffsverkehr zwischen Elbstromgebiet / Magdeburger Häfen und dem Kanalsystem muss dann über die Schleuse Rothensee abgewickelt werden – und zwar ausschließlich.

Rusche und Prottengeier warnen : Da die Sperrzeit in die Hauptsaison der Sport- und Fahrgastschifffahrt fällt, wird es zu Konflikten kommen. Alle werden " unangenehme Verzögerungen " in Kauf nehmen müssen. Im Klartext : Stundenlanges Warten könnte die Folge sein.

Der Güterschifffahrt erwachse wirtschaftlicher Schaden, der Weißen Flotte steigen die Passagiere für die Große Acht aus, befürchten immer mehr Insider. Schließlich würden sich auch Gefahren für Leib und Leben von Freizeitschiffern eröffnen, die sich aus einem gemeinsamen Schleusen mit den großen Pötten in der dafür nicht eingerichteten neuen Schleuse ergeben würden.

Was bei der Sperrungen in Niegripp besonders sauer aufstößt – die in Rothensee zu erwartenden Probleme sind hausgemacht. Zum 1. Juli 2006 wurde das Schiffshebewerk auf Veranlassung des Bundesverkehrsministeriums aus Kostengründen still gelegt – trotz Protesten von 60 000 Magdeburgern bei den Unterschriftensammlungen sowie der zahllosen städtischen und Vereinsaktivitäten.

Heinz-Karl Prottengeier, Günter Rusche und die weiteren Mitglieder des Fachbeirats bzw. des Fördervereins hoffen, dass sich in der WSD Ost bzw. im übergeordneten Bundesverkehrsministerium Realdenken durchsetzt. Vorerst für die programmierte missliche Lage ab Mai bis Jahresende.

Doch sowohl der Förderverein als auch der Bundesverband der Binnenschifffahrt halten an der Forderung fest, das Hebewerk nicht nur 2007 im Tagesverkehr wiederzueröffnen. Das Ziel bleibt eine dauerhafte Inbetriebnahme im Interesse der Schifffahrt, des Tourismus, vieler Unternehmen und der Identität der Magdeburger. Denn einen Zwei-Schwimmer-Schiffsfahrstuhl wie in Rothensee gibt es als ( höchst zuverlässig ) funktionierendes Technisches Denkmal nicht ein zweites Mal auf der Welt.

Jetzt soll der Kampf um den Erhalt neu angefacht werden, kündigte der Förderverein an.



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Dokument erstellt am 25.01.2007 um 05:56:19 Uhr
Erscheinungsdatum 25.01.2007 | Ausgabe: mdx