URL:
http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokales/magdeburg/?em_cnt=203403
Zu Rothensee wieder Nein aus Berlin / Bald gerichtliche Schritte ?
/ Geheimes Positionspapier befürchtet " Klimastörung "
Klage gegen Aus des Schiffshebewerks: Pfeift die Stadt Weiße
Flotte zurück?
Von Karl-Heinz Kaiser



Wird das
sinkende Schiff doch noch gerettet? In letzter Zeit war es relativ still um das
Schiffshebewerk. Montage: Roland Schödl
Das gerichtliche Vorgehen der Weißen Flotte GmbH gegen den Bund
für den Weiterbetrieb des im Juli offi ziell geschlossenen Schiffshebewerks
findet auch die Zustimmung von Hafenanrainern. Das MUT-Tanklager hat jetzt
möglichen Beistand signalisiert. Die Stadt indes befürchtet, dass die ganze
Angelegenheit in Berlin zum Nachteil Magdeburgs ausgelegt werden könnte.
Magdeburg. Bei der beabsichtigten Klage der Weißen Flotte hatte der
damalige Geschäftsführer, Dr. Bernhard Thümler, den wirtschaftlichen Schaden
seiner Branche im Auge, den die Schließung des Technischen Denkmals bringen
wird. Der Bund hat dabei offenbar schlechte Karten.
Anwalt legte Widerspruch ein
Nachweislich nämlich sollen
erforderliche behördliche Verfahren bei der Entscheidung für die Stilllegung des
Schiffshebewerks außer Acht gelassen worden sein. Das beauftragte Anwaltsbüro
hat bei der WSD Ost als hier ansässige Bundesbehörde am 10. Oktober einen Antrag
auf Weiterbetrieb des Schiffshebewerks gestellt. Der wurde abgelehnt. Am 20.
Oktober legte der Anwalt Widerspruch ein. Eine Reaktion dazu steht offenbar noch
aus. Wird der Antrag abgelehnt, wäre der erste gerichtliche Schritt des
Anwaltsbüros, namens der Weißen Flotte eine einstweilige Verfügung zum
Weiterbetrieb des Hebewerks durchzusetzen.
Für die Firma MUT Umschlag
und Tanklager im Hafen ist die Entwicklung Anlass, sich bei der Klage
einzubringen. " Wir haben dem Anwaltsbüro nach seiner Anfrage Signale gegeben,
dass wir uns beteiligen würden. Für eine endgültige Entscheidung fehlt noch der
genaue Kostenumfang ", sagte gestern Jan Asmus, kaufmännischer Leiter vom MUT
Magdeburg.
Wenn die neue Schleuse ausfällt, was häufig passiert sei,
dann sei das Hebewerk die ideale Alternative, sagte Asmus. Nicht selten nämlich
sei der Umweg der Tanker über die Schleuse Niegripp wegen Niedrigwassers
versperrt.
Asmus : Außerdem sei die neue Schleuse laut Statistik im Jahr
2015 an der Kapazitätsgrenze. Das Hebewerk auf ewig dicht zu machen, sei
geradezu fahrlässig, kommentierte er. In Berlin allerdings haben sich die
Ansichten nicht gedreht. Auch nach der von OB Lutz Trümper initiierten
Unterschriftenaktion ( ca. 60 000 Personen unterzeichneten ) und nach seinem
erneuten Brief ans Bundesverkehrsministerium im Oktober blieb es beim Nein.
Selbst auf den Vorschlag, die Betriebskosten für einen saisonalen
Weiterbetrieb ( Mai bis Oktober ) dem Ministerium zu erstatten, gab es kein
Einlenken. Das übrigens hatte der Verein Technische Denkmale Sachsen-Anhalt
vorgeschlagen.
Karl-Heinz Paqué : " Wäre hasenfüßig ... "
Sein
Verein stünde hinter der Klage der Weißen Flotte, ließ gestern deren
Vorsitzender, Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, auf Nachfrage der Volksstimme wissen.
Die derzeitige relative Ruhe um den Erhalt des Schiffshebewerks
begründet der Chef der FDP-Landtagsfraktion mit dem Abwarten der Reaktion der
WSD Ost auf den Widerspruch. Die sei ihm noch nicht bekannt, sagte er.
Indessen soll die Stadtverwaltung nichtöffentlich über die Lage beraten
und die Möglichkeiten durchgespielt haben, erfuhr die Volksstimme. In einem
Informationspapier wird auf geringe Erfolgschancen für einen dauerhaften
Weiterbetrieb verwiesen. Zugleich werden darin Befürchtungen laut, dass eine
Klage das bisherige gute Gesprächsklima mit Berlin trüben könne und auf weite
Sicht Nachteile für den Logistikstandort Magdeburg entstehen würden.
Den
MVB und ihrer Tochter Weiße Flotte soll deshalb in dem städtischen Papier
anempfohlen worden sein, mit Sorgfalt und Bedacht auf der gerichtlichen Seite
vorzugehen.
Kneift jetzt die Stadt ?
Für Karl-Heinz Paqué wäre
ein solches Vorgehen " hasenfüßig ". Wenn die Stadt sich erpressen lassen wolle,
sei sie selbst schuld. Sie müsse klare Position beziehen, gezielt das Umland an
den Tisch holen, Aktivitäten auslösen. Das sei sie den 60 000 schuldig, die für
den Erhalt des Schiffshebewerks eingetreten sind, erklärte er.
[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de
2006
Dokument erstellt am 07.12.2006 um 05:51:07 Uhr
Erscheinungsdatum
07.12.2006 | Ausgabe: mdx
