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Muskelgetriebene Sportboote dürfen in der Schleuse Rothensee nicht absteigen – gefährliche Turbulenzen / Versuche geplant
Weil Schiffsfahrstuhl dicht ist, geht ‘ s mit dem Boot huckepack über Land
Von Karl-Heinz Kaiser



Das geschlossene Schiffshebewerk setzt jetzt der Sportschifffahrt empfi ndlich zu. Paddelboote, Kanus und andere muskelbetriebene kleine Wasserfahrzeuge nämlich dürfen in der neuen Schleuse Rothensee nicht zum Mittellandkanal aufsteigen. Geradezu Kurios : Bootsführer müssen die Boote auf den Rücken nehmen.

Rothensee. Nick Herbst von der Biber-Kanutouristik GbR ist sauer über die Schließung des Schiffshebewerks. Dieser Weg sei unzumutbar, für Passagiere erst recht, sagte er. Gestern demonstrierten er und Kevin Dehben, dass eine Umgehung der Schleuse Rothensee auf dem Landweg praktisch unmöglich ist. 18 Meter bis zum Mittellandkanal sind zu bewältigen. " Unglaublich ", stöhnt er.

Amt : Scheitert Test, wird Schleppe installiert

Sigrid Leue vom Wassersportverein Buckau / Fermersleben probiert, wie ihre langjährigen Vereinskameraden, diesen Weg erst gar nicht. Nicht zu schaffen, lehnte sie ab. Sie ärgert sich über die Schließung des Schiffshebewerks. Eine Entscheidung auch gegen Freizeit- und Erholungssport, sagte sie.

Nachdem der große Fahrstuhl in Rothensee am 2. Juli dichtgemacht wurde, sind die muskelgetriebene Schifffahrt, die Kanutouristik und die Touristik allgemein ins Abseits geraten.

Das Problem : Sportboote dieser Kategorie dürfen zwar vom Mittellandkanal per Schleuse in den Rothenseer Verbindungskanal / Elbe absteigen. Der umgekehrte Weg aber bleibt ihnen versperrt. Grund sind gefährliche Turbulenzen und Soge, die durch die in die Bodenöffnungen einströmenden Wassermassen entstehen.

Kenner wissen : Bei einer solchen " Wildwasserparty " sei die Gefahr des Kenterns oder anderer Zwischenfälle groß. " Zu gefährlich ", begründete Tjark Hildebrandt, Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes, das Verbot. Die derzeitigen Alternativen : Entweder an der Schleuse wieder umkehren oder auf die Schleuse Niegripp ausweichen bzw. irgendwie den Weg nach Hohenwarthe suchen – 1, 5 Kilometer über Land. An der Doppelsparschleuse sei ein Schiffsein- und -ausstieg eingerichtet worden, erklärte Hildebrandt.

In Rothensee aber ist das nicht der Fall. Da am Verbindungskanal kaum Ausstiegsmöglichkeiten bestehen, scheidet zurzeit sogar der Landweg vorbei an der Schleuse aus.

Ein unhaltbarer Zustand, meinen Wassertouristen. Jetzt wächst der Druck seitens der Sportverbände auf die Schifffahrtsbehörden. Die wollen nun reagieren. Im Gespräch ist eine so genannte Bootsschleppe. Das ist ein Schienensystem, auf dem ein Rollwagen installiert ist. Auf dem sollen die bis 80 Kilogramm schweren Boote die Schleuse dann auf dem Landweg " umrunden ".

Alles in allem eine teure Angelegenheit, um die komplette Anlage einschließlich der Ein- und Ausstiege zu installieren.

Wohl auch deshalb hat sich jetzt das Amt entschieden, noch eine andere Variante zu testen. Tjark Hildebrandt : " Wir haben dazu vier Magdeburger Wassersportvereine angesprochen, die machen mit und haben auch freudig auf unseren Vorschlag reagiert. " Getestet werden soll unter " Laborbedingungen ", wie sich die leichten Sportboote beim Aufstieg in der Schleusenkammer bei einem speziellen Programm verhalten. THW und Lebensrettungsgesellschaft seien aus Sicherheitsgründen vor Ort, hieß es. Sollte es funktionieren, werde man vielleicht auch den Aufstieg nach oben erlauben, zieht der Amtsleiter diese Möglichkeit in Erwägung. Am 29. oder 30. August soll der Versuch starten.

" Schließung in der Saison war unsensibel "

Wie der Test ausgeht, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist eins : Die Saison der Wassersportler ist dann so gut wie gelaufen.

Für Uwe Bunk, Inhaber des Tourismus-Charterschiffs " Padua ", ein weiteres Indiz dafür, dass die Schließung des Schiffshebewerks höchst unüberlegt war. Außerdem : Dass dies mitten in der Hauptsaison jener geschah, die vom Hebewerk leben ( u. a. die Weiße Flotte ), bezeichnet er als unsensibel und unverantwortlich.

Bunk setzt wie viele andere auf die nicht nachlassenden Bemühungen, die Schließung rückgängig zu machen und eine endgültige Stilllegung zu verhindern.



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Dokument erstellt am 08.08.2006 um 05:56:17 Uhr
Erscheinungsdatum 08.08.2006 | Ausgabe: mdx