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Bootclubs von Mittelland- und Elbe-Seitenkanal sprachen mit
Bauminister über Rothensee
Braune: "Das wird zum Handicap für Motorboote"
Von Ivar Lüthe

Für den Weiterbetrieb des Schiffshebewerkes Rothensee haben sich
gestern Vertreter von Motorbootclubs an Mittellandkanal und Elbe-Seitenkanal
ausgesprochen. Gestern trafen sich Vertreter der Clubs am Sportboothafen
Haldensleben, um mit Landes-Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre über eine
mögliche Rettung des Hebewerkes zu diskutieren.
Haldensleben.
Hoffnungsvolles hatte Karl-Heinz Daehre gestern Vormittag den
Wassersportfreunden nicht zu verkünden : Der Bund bleibt bei seinem Vorhaben,
das Schiffshebewerk Rothensee nicht weiter zu betreiben. Und das Land kann und
wird die Anlage nicht übernehmen, sagte Daehre klipp und klar. Doch man sei
bemüht, eine Lösung zu finden. " Wir haben hier die einmalige Chance, ein voll
funktionstüchtiges Industriedenkmal von nationalem Rang zu erhalten ", so der
Minister.
Haushaltsposten für Industriedenkmäler
Mit "
Industriedenkmal " gab Daehre auch das Stichwort für einen möglichen weiteren
Erhalt und Betrieb des Schiffshebewerkes. Derzeit sei man dabei, alle
Industriedenkmäler im Land zu erfassen. Hintergrund ist der Wunsch Daehres nach
einem festen Finanzposten im Landeshaushalt für Industriedenkmäler. Und aus
diesem könnte auch Geld für Rothensee fließen. Doch das ist noch nicht die
Lösung. " Allein an Betriebskosten sind für eine Saison rund 380 000 Euro nötig.
Das würden wir vielleicht für diese Saison noch zusammen bekommen. Aber was
machen wir, wenn in fünf Jahren eine erneute Überprüfung des Schiffshebewerkes
ansteht und dann plötzlich Millionen fällig werden ? Wir brauchen eine Lösung,
die langfristig greift ", machte Daehre deutlich. Bund, Land, die Stadt
Magdeburg und die umliegenden Landkreise müssten gemeinsam einen Weg finden, wie
ein Weiterbetrieb von Rothensee möglich ist. Überlegungen, das Werk per
AB-Maßnahme zumindest personaltechnisch zu führen, erteilte Daehre eine Absage.
Der Minister will sich aber weiter für den Erhalt stark machen. " Wir stehen an
Ihrer Seite ", sagte er den Wassersportfreunden. Wenn in den nächsten Tagen der
Verkehrsausschuss des Bundestages nach Magdeburg kommt, will Daehre für
Rothensee werben. Der Ausschuss wird sich das Schiffshebewerk selbst ansehen,
kündigte Daehre an. Doch viel Hoffnung hat er nicht : " Die Wahrscheinlichkeit
der Schließung ist derzeit höher als der Weiterbetrieb. "
In einer
endgültigen Schließung des Schiffshebewerkes sehen die Motorbootclubs von
Mittellandkanal und Elbeseitenkanal ein großes Problem. " Wenn wir die Elbe
überqueren wollen, dann geht das noch über die Trogbrücke. Aber wenn man auf der
Elbe fährt, dann wird es ohne Rothensee zum Problem. Denn dann müssen alle über
die Sperrschleuse ", bilanzierte Lothar Braune, 1. Vorsitzender der
Wassersportfreunde Haldensleben. Denn dann gibt es eine festgelegte Rangordnung
: Zuerst die Berufsschifffahrt, dann die " Touristendampfer " und erst dann die
Sportboote. " Das bedeutet, dass Motorboote stundenlang warten müssen. Das wird
ein Nadelöhr und zu einem Handicap für die Motorboote, das auch touristisch
abträglich wird ", so Lothar Braune. Und der touristische Aspekt sei nicht von
der Hand zu weisen. Allein im gerade mal vier Jahre alten Sportboothafen
Haldensleben legen pro Saison 1000 Boote an. " Wir haben mal hochgerechnet, was
pro Boot und Tourist in Haldensleben an Geld in die Kasse kommt : Das sind rund
80 Euro pro Boot ", sagte Braune. Und der Wassertourismus steige immer weiter
an. Auch Bootstouristen aus dem Ausland würden immer mehr den Mittellandkanal
und den Elbe-Seitenkanal entdecken.
Schleusengebühr vorgeschlagen
Ihr Scherflein für den Weiterbetrieb von Rothensee würden die
Wassersportfreunde zumindest beitragen wollen : mit Schleusengebühren. Das ist
bei einigen anderen Schleusen auch üblich. Acht bis neun Euro pro Boot würden
bezahlt. Das wäre zwar nicht das Gros, um wenigstens die Betriebskosten
abzudecken, aber immerhin ein Beitrag, waren sich die Vertreter der
Motorbootclubs einig. Einig waren sie sich auch in den Bemühungen, weiter für
Rothensee kämpfen zu wollen. Die Clubs wollen sich mit ihrem Anliegen an ihre
Dachverbände, wie etwa den ADAC, wenden. So wolle man zusätzlich zu der bereits
gebildeten Initiative zur Rettung von Rothensee eine breite Front aufmachen, um
beim Bund besser Gehör zu finden.
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Copyright © Volksstimme.de
2007
Dokument erstellt am 26.02.2007 um 05:55:58 Uhr
Erscheinungsdatum
26.02.2007 | Ausgabe: hdl
