URL:
http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/lokales/magdeburg/?em_cnt=250547
Aufschrei der Sportbootfahrer programmiert / Erstmals : fünf
Firmen für Öffnung des Hebewerks im Sommer / Hoffnung auf 19. März :
Hebewerk dicht, Schleuse Nadelöhr: Bundestag hat Rothensee im
Blick
Von Karl-Heinz Kaiser

Der Druck auf die Schifffahrtsverwaltung zur Wiedereröffnung des
Schiffshebewerks wächst erneut. Am 19. März kommt der einflussreiche
Bundestagsausschuss für Verkehr nach Magdeburg – speziell in der Mission
Hebewerk. Erstmals hat sich jetzt auch eine geschlossene Wirtschaftseinheit im
Norden der Stadt für die Öffnung des im Juli 2006 stillgelegten
Schiffsfahrstuhls stark gemacht.
Magdeburg. Die Arbeitsgemeinschaft (
Arge ) Hafenbecken II befürchtet während der Reparatur der Schleuse Niegripp
übermäßig lange Wartezeiten an der Schleuse Rothensee. In einem Schreiben an die
Schifffahrtsverwaltung schlägt sie vor, den Schiffsfahrstuhl zwischen 30. Mai
und 11. Dezember wenigstens mit einer Tagschicht zu besetzen. Er könnte dann vor
allem der Sport- und Fahrgastschifffahrt als Alternative dienen.
Hauptsaison der Sportschifffahrt
Denn während der
Sperrung in Niegripp muss sämtlicher Wechselverkehr zwischen Elbstromgebiet,
Magdeburger Häfen und Kanalsystem über die Schleuse Rothensee abgewickelt
werden. Sie droht umso mehr zum Nadelöhr zu werden, als dass in diese Zeitspanne
die Hauptsaison der Sport- und der Fahrgastschifffahrt fällt. Es komme zu
Konflikten, wird in dem Schreiben befürchtet. " Als Hafenanrainer aber benötigen
wir eine zuverlässige Schifffahrt ", begründet Jan Asmus, kaufmännischer Leiter
von MUT und Mitglied der Arge, den Vorstoß.
Das per Schriftstück
offiziell gemachte Ansinnen an die Bundesbehörde kommt nicht von irgendwoher.
Hinter der Arge Hafenbecken II nämlich verbirgt sich geballte Magdeburger
Wirtschaftskraft. Es handelt sich um das MUT-Tanklager ( 1, 1 Mio. Tonnen
Umschlag pro Jahr allein hier ), das Bio-Ölwerk ( künftig 255 000 Tonnen
Biodiesel Jahresproduktion ), um den Windkraftwerkshersteller Enercon ( 3000
Arbeitsplätze ), die Beiselen GmbH und das Silo Rothensee.
Vorschlag :
Tagschicht während der Sperre
Der Druck auf die Schifffahrtsbehörde, die
im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums das leistungsfähige Technische Denkmal
abwickelt, wird auch aus einem anderen Grund stärker. Jetzt nämlich ist es
unumstößlich, dass der mächtige Bundestagsausschuss für Verkehr am 19. März nach
Magdeburg kommt. Auf Einladung des Oberbürgermeisters und Betreiben des
CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Heynemann befasst er sich speziell mit dem
weltweit einmaligen legendären Schiffsfahrstuhl.
Das Besuchsprogramm
liegt inzwischen vor. Auch direkt vor Ort will sich der Ausschuss überzeugen, ob
die Entscheidung richtig ist oder ob wirtschaftlicher und politischer Nonsens
betrieben wird.
Der Gedanke zumindest liegt nahe. Ein bestens
funktionierendes Abstiegsbauwerk wird vom Netz genommen, während sich vor dem
Nadelöhr wenige hundert Meter entfernt die Schifffahrt drängelt. Die Arge
Hafenbecken II schlägt deshalb vor, dass für die Dauer der Sperre das
Schiffshebewerk wenigstens in einer Tagesschicht besetzt wird. Somit kann es die
Masse der Personen- und Sportschifffahrt aufnehmen und eine sinnvolle Entzerrung
des Schiffsverkehrs ermöglichen.
24-Stunden-Betrieb an der Schleuse
Inzwischen haben das Schreiben und die öffentliche Meinung Aktivitäten
in der Schifffahrtsbehörde ausgelöst. Es wurde, so Friedrich Koop, eine Analyse
erstellt, ob der im Sommer 2007 tatsächlich stärker werdende Schiffsverkehr
allein von der Schleuse bewältigt werden könne. Das Ergebnis liege jetzt vor,
sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Koop dazu : Im
24-Stunden-Betrieb sei das zu schaffen. Die bisherigen Erkenntnisse würden
derzeit also keine Veranlassung geben, an der Festlegung, das Hebewerk nicht zu
öffnen, etwas zu verändern. Dass sich allerdings der Rhythmus verändert und
längere Wartezeiten bevorstehen, kann Friedrich Koop nicht vom Tisch wischen.
Auch stellt er klar : " Wir sind für die Binnenschifffahrt zuständig. "
Die Untersuchungen für die Analyse basieren also auf Zahlen der Güter- und
Fahrgastschifffahrt. Die Sportschifffahrt aber fällt nicht ins Ressort der
Behörde. Sie muss sich auf enorme zusätzliche Behinderungen einstellen. Denn ein
gemeinsames Schleusen mit den voll beladenen Pötten kommt nicht in Frage – zu
groß sind Zeitaufwand und Gefährdung. Die Sportschiffe müssen sich in den sieben
Monaten ganz hinten anstellen. " Wir sind noch dabei, dafür Regeln aufzustellen,
weitere Lösungen zu suchen ", sagte Koop. Die könnten zum Beispiel lauten, dass
Sportschiffe immer nur im Pool jeweils morgens und abends auf- oder absteigen
dürfen.
Wird es der Ausschuss " hinbiegen "?
Ein Aufschrei des
Bundesverbandes der Sportschiffer ist zu dem Punkt programmiert. Es sei denn,
die Entscheidung kippt doch noch, und zwar zugunsten des Schiffshebewerks
Rothensee. Zumal das an der gesperrten Schleuse in Niegripp freiwerdende
Bedienpersonal durchaus für den Betrieb des Hebewerks eingesetzt werden könnte,
wie die Arge Hafenbecken II vorschlägt. Sowohl die Güter- und
Fahrgastschifffahrt als auch Hafenwirtschaft und Sportbootführer setzen jetzt
auf den 19. März. Wird es der Verkehrsausschuss des Bundestages hinbiegen können
?
[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de
2007
Dokument erstellt am 06.03.2007 um 05:56:37 Uhr
Erscheinungsdatum
06.03.2007 | Ausgabe: mdx
