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Aufschrei der Sportbootfahrer programmiert / Erstmals : fünf Firmen für Öffnung des Hebewerks im Sommer / Hoffnung auf 19. März :
Hebewerk dicht, Schleuse Nadelöhr: Bundestag hat Rothensee im Blick
Von Karl-Heinz Kaiser



Der Druck auf die Schifffahrtsverwaltung zur Wiedereröffnung des Schiffshebewerks wächst erneut. Am 19. März kommt der einflussreiche Bundestagsausschuss für Verkehr nach Magdeburg – speziell in der Mission Hebewerk. Erstmals hat sich jetzt auch eine geschlossene Wirtschaftseinheit im Norden der Stadt für die Öffnung des im Juli 2006 stillgelegten Schiffsfahrstuhls stark gemacht.

Magdeburg. Die Arbeitsgemeinschaft ( Arge ) Hafenbecken II befürchtet während der Reparatur der Schleuse Niegripp übermäßig lange Wartezeiten an der Schleuse Rothensee. In einem Schreiben an die Schifffahrtsverwaltung schlägt sie vor, den Schiffsfahrstuhl zwischen 30. Mai und 11. Dezember wenigstens mit einer Tagschicht zu besetzen. Er könnte dann vor allem der Sport- und Fahrgastschifffahrt als Alternative dienen.

Hauptsaison der Sportschifffahrt

Denn während der Sperrung in Niegripp muss sämtlicher Wechselverkehr zwischen Elbstromgebiet, Magdeburger Häfen und Kanalsystem über die Schleuse Rothensee abgewickelt werden. Sie droht umso mehr zum Nadelöhr zu werden, als dass in diese Zeitspanne die Hauptsaison der Sport- und der Fahrgastschifffahrt fällt. Es komme zu Konflikten, wird in dem Schreiben befürchtet. " Als Hafenanrainer aber benötigen wir eine zuverlässige Schifffahrt ", begründet Jan Asmus, kaufmännischer Leiter von MUT und Mitglied der Arge, den Vorstoß.

Das per Schriftstück offiziell gemachte Ansinnen an die Bundesbehörde kommt nicht von irgendwoher. Hinter der Arge Hafenbecken II nämlich verbirgt sich geballte Magdeburger Wirtschaftskraft. Es handelt sich um das MUT-Tanklager ( 1, 1 Mio. Tonnen Umschlag pro Jahr allein hier ), das Bio-Ölwerk ( künftig 255 000 Tonnen Biodiesel Jahresproduktion ), um den Windkraftwerkshersteller Enercon ( 3000 Arbeitsplätze ), die Beiselen GmbH und das Silo Rothensee.

Vorschlag : Tagschicht während der Sperre

Der Druck auf die Schifffahrtsbehörde, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums das leistungsfähige Technische Denkmal abwickelt, wird auch aus einem anderen Grund stärker. Jetzt nämlich ist es unumstößlich, dass der mächtige Bundestagsausschuss für Verkehr am 19. März nach Magdeburg kommt. Auf Einladung des Oberbürgermeisters und Betreiben des CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Heynemann befasst er sich speziell mit dem weltweit einmaligen legendären Schiffsfahrstuhl.

Das Besuchsprogramm liegt inzwischen vor. Auch direkt vor Ort will sich der Ausschuss überzeugen, ob die Entscheidung richtig ist oder ob wirtschaftlicher und politischer Nonsens betrieben wird.

Der Gedanke zumindest liegt nahe. Ein bestens funktionierendes Abstiegsbauwerk wird vom Netz genommen, während sich vor dem Nadelöhr wenige hundert Meter entfernt die Schifffahrt drängelt. Die Arge Hafenbecken II schlägt deshalb vor, dass für die Dauer der Sperre das Schiffshebewerk wenigstens in einer Tagesschicht besetzt wird. Somit kann es die Masse der Personen- und Sportschifffahrt aufnehmen und eine sinnvolle Entzerrung des Schiffsverkehrs ermöglichen.

24-Stunden-Betrieb an der Schleuse

Inzwischen haben das Schreiben und die öffentliche Meinung Aktivitäten in der Schifffahrtsbehörde ausgelöst. Es wurde, so Friedrich Koop, eine Analyse erstellt, ob der im Sommer 2007 tatsächlich stärker werdende Schiffsverkehr allein von der Schleuse bewältigt werden könne. Das Ergebnis liege jetzt vor, sagte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg. Koop dazu : Im 24-Stunden-Betrieb sei das zu schaffen. Die bisherigen Erkenntnisse würden derzeit also keine Veranlassung geben, an der Festlegung, das Hebewerk nicht zu öffnen, etwas zu verändern. Dass sich allerdings der Rhythmus verändert und längere Wartezeiten bevorstehen, kann Friedrich Koop nicht vom Tisch wischen.

Auch stellt er klar : " Wir sind für die Binnenschifffahrt zuständig. " Die Untersuchungen für die Analyse basieren also auf Zahlen der Güter- und Fahrgastschifffahrt. Die Sportschifffahrt aber fällt nicht ins Ressort der Behörde. Sie muss sich auf enorme zusätzliche Behinderungen einstellen. Denn ein gemeinsames Schleusen mit den voll beladenen Pötten kommt nicht in Frage – zu groß sind Zeitaufwand und Gefährdung. Die Sportschiffe müssen sich in den sieben Monaten ganz hinten anstellen. " Wir sind noch dabei, dafür Regeln aufzustellen, weitere Lösungen zu suchen ", sagte Koop. Die könnten zum Beispiel lauten, dass Sportschiffe immer nur im Pool jeweils morgens und abends auf- oder absteigen dürfen.

Wird es der Ausschuss " hinbiegen "?

Ein Aufschrei des Bundesverbandes der Sportschiffer ist zu dem Punkt programmiert. Es sei denn, die Entscheidung kippt doch noch, und zwar zugunsten des Schiffshebewerks Rothensee. Zumal das an der gesperrten Schleuse in Niegripp freiwerdende Bedienpersonal durchaus für den Betrieb des Hebewerks eingesetzt werden könnte, wie die Arge Hafenbecken II vorschlägt. Sowohl die Güter- und Fahrgastschifffahrt als auch Hafenwirtschaft und Sportbootführer setzen jetzt auf den 19. März. Wird es der Verkehrsausschuss des Bundestages hinbiegen können ?



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Dokument erstellt am 06.03.2007 um 05:56:37 Uhr
Erscheinungsdatum 06.03.2007 | Ausgabe: mdx